RSI - anerkannt oder totgeschwiegen?

Australien war im Jahr 1984 das erste Land, das RSI als Berufskrankheit anerkannte. Es dauerte von da an noch satte 15 Jahre, bis man sich in den EU-Ländern auf Initiative des niederländischen Sozialministeriums in einer Untersuchung mit dem Thema RSI beschäftigte. Das Ergebnis war erschreckend: Nur rund die Hälfte der Staaten verfügte zur Jahrtausendwende überhaupt über brauchbare Statistiken zu dem Problem. Immerhin gab es eine britische Untersuchung, derzufolge nahezu eine halbe Million Menschen an arbeitsbedingten Muskel- und Skeletterkrankungen im Bereich des Nackens und der Arme leidet. Jährlich erkranken in Großbrittanien 200.000 Menschen neu an RSI. Nach einer finnischen Erhebung haben etwa 40 Prozent der weiblichen Büroangestellten Probleme im Nacken- und Schulterbereich.

Bis heute gibt es EU-weit keine allgemein anerkannte Definition des Begriffs RSI. In Deutschland, so kritisieren RSI-Fachleute, wird das Thema oft totgeschwiegen, da die Berufsgenossenschaften eine Flut von Berufsunfähigkeitsprozessen fürchten. Einander widersprechende Studien, nach denen das Auftreten von RSI einerseits eng mit der Art der Arbeit, der Arbeitsorganisation und psychosozialen Faktoren zusammenhänge, andererseits dagegen zwischen Muskel-Skelett-Erkrankungen und Bildschirmarbeit keinerlei Verbindung bestehe, tragen nicht dazu bei, Licht ins Dunkel der Sachlage zu bringen. In Amerika hingegen gilt der Zusammenhang zwischen sich wiederholenden Bewegungen am Arbeitsplatz und gesundheitlichen Störungen von Muskeln und Skelett als wissenschaftlich bewiesen. RSI wird hier für 60 Prozent aller Arbeitsausfälle verantwortlich gemacht.

Ausführliche Informationen über RSI im internationalen Vergleich stehen im Bericht "Schädigungen durch wiederholte Belastungen [RSI] in den EU-Mitgliedstaaten", veröffentlicht von der EuropäischenAgentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit. Mehr dazu hier.